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Lifestyle

Mehr lesen in einer Welt voller Ablenkungen: Praktische Strategien

Von Thomas Müller·2026-04-20·6 Min. Lesezeit
Offenes Buch auf einem Sofa, daneben eine Tasse Tee

Die meisten Menschen, die sagen, sie wollen mehr lesen, lesen weniger als noch vor fünf Jahren. Das Smartphone ist nicht der einzige Grund — aber ein wesentlicher. Das Problem liegt weniger in der Technik als in der Struktur der Aufmerksamkeit.

Was mit Aufmerksamkeit passiert

Lesen verlangt eine Art von Aufmerksamkeit, die dem Alltagsmodus der meisten Menschen fremd geworden ist: anhaltende, mono-fokale Konzentration auf ein einzelnes Objekt. Soziale Medien, Kurznachrichten, Videoplattformen — sie alle funktionieren nach dem entgegengesetzten Prinzip: kurze Impulse, häufige Belohnungen, ständiges Wechseln.

Das ist keine Frage der Willenskraft. Es ist eine Frage der Übung. Wer wenig liest, hat seine Lesefähigkeit geschwächt — nicht weil er schlechter wird, sondern weil das Gehirn sich auf das ausrichtet, was es regelmäßig tut.

Was nicht funktioniert

Mehr Bücher kaufen: Bücher zu kaufen erzeugt das gute Gefühl des Lesens ohne das Lesen selbst. Viele Menschen haben große ungelesene Bibliotheken und lesen trotzdem nicht.

Sich vorzunehmen, täglich eine Stunde zu lesen: Große, abstrakte Vorsätze scheitern oft an ihrer Uneindeutigkeit. Wann genau? Wo? Und was, wenn die Stunde wegbricht?

Apps für Lesetracking: Können motivieren, können auch die Zahl über das Erleben stellen.

Was funktioniert

Kleine, konkrete Zeiten verankern: Nicht „abends lesen", sondern „nach dem Abendessen, bevor das Telefon wieder in die Hand genommen wird, zehn Seiten." Konkreter Zeitpunkt, klare Dauer, feste Reihenfolge.

Das Telefon aus dem Schlafzimmer: Wer abends im Bett liest und das Smartphone neben sich hat, liest selten lange. Wer das Smartphone in einem anderen Zimmer lässt, liest meistens länger.

Mit einem Buch anfangen, nicht mit einem Regal: Viele Menschen verbringen mehr Zeit mit der Auswahl des nächsten Buches als mit dem Lesen. Ein gutes Buch, das man wirklich lesen will, ist besser als eine optimierte To-read-Liste.

Hörbücher für Zeiten ohne Hände und Augen: Das Argument, Hörbücher seien „kein richtiges Lesen", ist akademisch. Wer durch Hörbücher mehr mit Texten in Berührung kommt, liest effektiv mehr.

Der Einstieg nach einer Pause

Wer lange nicht gelesen hat, sollte mit einem kurzen Buch beginnen — oder einem, das ihn wirklich interessiert, nicht einem, das er lesen sollte. Pflichtlektüre-Energie ist eine schlechte Einstiegsstrategie. Was man gern liest, liest man auch.

Was Lesen langfristig bringt

Das ist schwer zu messen — und es ist auch gar nicht nötig, es zu rechtfertigen. Wer liest, verbringt Zeit mit etwas, das Konzentration, Empathie und Vorstellungsvermögen fordert. Das ist selten und wertvoll.


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